

Hommage an die Dialektik der Gefühle, 2025-2026
3D print, lifesized
169 x 50 x 30cm
Die Arbeit zeigt zwei identische, überlebensgroße Körper generiert durch einen digitalen Körperscan meines eigenen Körpers. In der Verdopplung entsteht eine Konfrontation mit mir selbst: ein Gegenüber, das zugleich Spiegel, Projektion und physische Präsenz ist. Der Akt des Scannens wird dabei zur performativen Geste der Offenbarung. Sich der apparativen Vermessung hinzugeben, bedeutet Kontrolle abzugeben und den eigenen Körper als Datenkörper preiszugeben. Ein Moment zwischen Ausgeliefertsein und Selbstermächtigung.Die Haltungen der Figuren verweisen auf autobiografische Erfahrungen. Der geöffnete Mund evoziert einen oralen Moment, der sich metaphorisch auf meine jahrelange Auseinandersetzung mit Bulimie bezieht - ein Spannungsfeld von Aufnahme und Abgabe, Begehren und Zerstörung. Die Hand im Schritt formuliert zugleich eine Geste der Lust, der Selbstberührung und der Aneignung. Beide Bewegungen oszillieren zwischen Intimität und Provokation, zwischen Scham und Selbstbestimmung.Im Zusammenspiel wirken die Körper beinahe symbiotisch. Sie stützen und bedrängen einander zugleich, erscheinen demütig und mutig, verletzlich und sinnlich. Die Skulptur versteht sich als Hommage an die Dialektik der Gefühle: Was mir einst dient(e), mich nährt(e) oder schützt(e), kann mir gleichermaßen und gleichzeitig schaden. Die Gleichzeitigkeit von Fürsorge und Selbstverletzung, von Lust und Verlust, materialisiert sich in der doppelten Präsenz.Das seidenmatte Material lässt die glatte Oberfläche des Kunststoffs unerwartet organisch erscheinen. Die aus dem 3D-Druck stammenden Fragmente wurden unbearbeitet zusammengesetzt und verschweißt. Sichtbare Nähte zeugen vom Prozess ihrer Entstehung. Mich interessiert jene Zone des Unverfügbaren innerhalb dieses Verfahrens: die Verschiebung von Autorschaft zwischen Körper, Maschine und Material. Ähnlich wie beim Arbeiten mit Zucker wird der Produktionsprozess selbst zum Resonanzraum für Fragilität, Transformation und die Unmöglichkeit vollständiger Kontrolle. In der Verdopplung meines Körpers entsteht so ein Raum, in dem Selbstbegegnung nicht als narzisstischer Akt, sondern als radikale Form der Selbstbefragung erscheint - eine intime Exposition, die gleichermaßen entblößt und ermächtigt.







